Klinik für Neurologie

AG Plastizität

Prof. Dr. med. O. W. Witte

Direktor der Klinik
AG-Leiter Plastizität


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Bereich: Motorisches Verhalten

Forschungsschwepunkte

Der Forschungsschwerpunkt unserer Arbeitsgruppe „Motorisches Verhalten“ liegt in der Untersuchung der funktionellen Erholung motorischer Beeinträchtigungen, wie sie beispielsweise durch einen Schlaganfall hervorgerufen wurden. Chronische motorische Defizite setzten die Lebensqualität von Schlaganfallpatienten stark herab. Das Ziel angewendeter Therapien ist es, diese motorischen Beeinträchtigungen zu minimieren. Betroffene Patienten sollen lernen, die alltäglichen Dinge des Lebens (z.B. Ankleiden, Waschen, Essen) wieder eigenständig zu erledigen. Eine erfolgreiche Bewegungstherapie bei chronischen motorischen Defiziten wird in unserer Klinik (Tagesklinik, Taub’sches Bewegungstraining) angeboten. Dabei wird sichergestellt, dass die Patienten den beeinträchtigten Arm intensiv trainieren. Die Therapie zeigt deutliche Erfolge. Es ist darüber hinaus für uns von großem Interesse, effektive Therapien zu entwickeln, die in der akuten und subakuten Phase nach dem Schlaganfall eingesetzt werden können.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Tiere, die in einer reiz-intensiven komplexen Umgebung (geräumiger Käfig, verschiedene Utensilien wie Röhren, Wippen, Leitern) leben, feinmotorische Aufgaben nach einem induzierten Schlaganfall wesentlich erfolgreicher bewältigen. Durch pharmakologische Beeinflussung des Katecholamin-Systems lässt sich die funktionelle Erholung zusätzlich steigern.

Methoden

  • motorische Tests: Greiftest nach Whishaw, Ladder beam Test nach Metz, Zylinder Test nach Schallert
  • Kriterien für die Bewertung der motorischen Leistung sind der Erfolg einer Bewegung (quantitative Analyse) und Details im Bewegungsmuster (qualitative Analyse) (nach Metz and Whishaw, 2000)

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Abb. Greifbewegung. Das Hochziehen (Lift) schließt das Heben der Vorderpfote und Supinieren der Pfote ein, so dass die Handfläche nach innen zeigt und die Finger mit der Mediansagittale des Körpers eine Linie bilden. Beim Zielen (Aim) bewegt sich der Ellenbogen zur Mittellinie, während die Finger ihre Position beibehalten. Das Annähern (Advance) der Vorderextremität wird durch eine Schulterbewegung ermöglicht, dabei werden die Finger geöffnet und die Pfote teilweise proniert. Die Pronation (Pronation) wird erreicht durch das Abspreizen des Ellenbogens und einer Rotation um das Handgelenk. Im Griff (Grasp) schließen sich die Finger um das Futterpellet, danach folgt eine Flexion des Handgelenkes, um das Futterpellet anzuheben. Die anschließende Supination ist zweistufig, zuerst wird die Pfote zur Mittellinie supiniert, damit sie durch den Spalt zurückgezogen werden kann. Dann wird die Pfote nochmals supiniert, um das Pellet freizugeben. Beachte, dass Kopf und Körper während des Griffes kaum bewegt werden. Eine Ausnahme bildet die Kopfbewegung vor dem eigentlichen Griff, die die Nase beim Riechen des Pellets (Ortung) unterstützt. Dann wird der Oberkörper gehoben, um der Pfote das Vorrücken zu erlauben. Die Pfeile kennzeichnen die Bewegungen. Abbildung modifiziert nach Whishaw et al., 2000.

Publikationen (Auswahl)

Knieling M, Antonow-Schlorke I, Peter Storch, Ina Ingrisch, Metz GA, Witte O.W. Individual Motor Learning and Additive Benefit of Therapeutic Intervention Determine Post-stroke Improvement in Motor Function. (2009, in prep.)

Knieling M, Metz GA, Antonow-Schlorke I, Witte O.W. Enriched environment promotes efficiency of compensatory movements after cerebral ischemia in rats. Neuroscience 2009 Oct 20;163(3):759-69.

Knieling M, Witte OW, Metz GA, Dissociation of the Effects of Lesion Size and Lesion Type on Motor Recovery and Compensation in Rat Models of Ischemic Stroke (Society of Neuroscience 11/2003, New Orleans, Louisiana, Neuroscience 2003)

Metz GA, Knieling M, Witte OW How likely is Recovery after Stroke: Implications from Descriptive Movement Analysis after Focal Cerebral Ischemia in Adult Rats (The Neurosciences from Basic research to Therapy, Norbert Elsner and Herbert Zimmermann (Editor), Proceedings of the 29th Göttingen Neurobiology Conference and The 5th Meeting of the German Neuroscience Society 2003)

Klein A., Metz G. A., Wessolleck J., Papazoglou A., Knieling M.and Nikkah G. Remodelling of the Damaged Brain by Fetal Transplants? - Implications from Studies in a Rat Model of Parkinson’s Disease (Society of Neuroscience 11/2003, New Orleans, Louisiana, Neuroscience 2003)